Chronik der Gemeinde Rudow

1929 – 1932

Die Gründung der Gemeinde

Die Entstehung der Gemeinde Berlin-Rudow geht auf die Jahre 1929 bis 1932 zurück. In dieser Zeit wohnten abwechselnd zwei bzw. drei Familien in Rudow, die zur Gemeinde Berlin-Britz  gehörten und dort die Gottesdienste besuchten. Ende des Jahres 1932 fingen die Amtsbrüder an, alle 14 Tage in einer Wohnung (Wildmeisterdamm 36) Evangelisationsdienste zu halten. Zu diesem Zweck mussten jedes Mal die Betten auseinandergenommen und das Zimmer entsprechend hergerichtet werden. Es wurden nun fleißig Gäste eingeladen, aus denen später treue Gemeindemitglieder wurden. Diese Evangelisationsstunden wurden von den Amtsbrüdern der Gemeinde Britz gestaltet.
Die ersten Gemeindemitglieder
 Die ersten Gemeindemitglieder

In diesem Jahr ziehen mehrere neuapostolische Familien nach Rudow. Unter diesen ist auch der junge Priester Mutschal, der spätere erste Vorsteher der Gemeinde, aus der Gemeinde Britz, dem bisher schon die Betreuung der in Rudow wohnenden Geschwister obliegt. Groß ist die Freude, nun auch einen Priester hier wohnen zu haben, und nach Rücksprache mit dem damaligen Bezirksältesten werden nun in Rudow ständig Gottesdienste gehalten. Man mietet in demselben Hause, nämlich in der „Villa Emma“ (Wildmeisterdamm 36), eine extra Stube, eine Dachkammer, die nun zur Durchführung der Gottesdienste hergerichtet wird.

Die "Villa Emma"
Die „Villa Emma“

Die erste Rudower Gemeinde umfasst etwa 20 Geschwister, von denen sieben ältere Sängerinnen den Chor bilden. Priester Mutschal wird vom zuständigen Bezirksältesten beauftragt, diese kleine Gemeinde zu betreuen. Schon bald wächst die kleine Schar auf 50 Gemeindemitglieder an. Es ziehen noch weitere zu, so dass es fast 60 Gläubige sind, die sich in dem kleinen Raum versammeln.


1936

Der erste Vorsteher

Die Stube kann bald nicht mehr alle Besucher fassen, und der Dienende muss sehr laut reden, damit auch die auf der Treppe Stehenden noch das Wort hören können. Ein größerer Raum ist dringend erforderlich. In der Bendastraße 23/24 finden die Geschwister vorübergehend in einem Kino Unterkunft, bis auf dem gleichen Grundstück eine ehemalige Kegelbahn gemietet werden kann.

Bendastraße 23/24
Bendastraße 23/24

Der Raum ist mehr als dürftig und bescheiden, er misst an der höchsten Stelle etwa zwei Meter; jedoch versteht es die Gemeinde den schmucklosen Raum durch Blumen freundlicher zu gestalten.

Der Bezirksapostel Landgraf kommt zum ersten Mal zu Besuch. Die Zahl der Geschwister ist inzwischen auf 90 angestiegen. Nebenräume sind nicht vorhanden, es gibt nicht einmal ein Ämterzimmer. Als Sakristei dient ein großer Baum, unter dem sich die Brüder versammeln. Die Kinderwagen müssen im Sommer wie im Winter auf dem Hof stehen bleiben, denn in dem Raum ist dafür kein Platz. Der Bezirksapostel lobt die Gemeinde für ihren Eifer und ihre Treue. In diesem Gottesdienst wird Priester Mutschal als Vorsteher für die Gemeinde bestätigt.
Der erste Vorster der Gemende, Priester Willy Mutschal mit seiner Frau Ida
 Der erste Vorster der Gemende, Priester Willy Mutschal mit seiner Frau Ida


1938

Ein Pferdestall dient als Haus des Herrn 

Die Gemeinde wächst ständig. Sehr bald reicht der jetzige Raum nicht mehr aus, denn es sind inzwischen 158 Geschwister. Bezirksapostel Landgraf will eine Kapelle bauen, aber es gibt, aufgrund der damaligen politischen Situation, keine Baugenehmigung. Es wird daher in der Bendastraße 71 (heute Prierosser Straße) ein ehemaliger Pferdestall gemietet und für unsere Zwecke hergerichtet.
Der Pferdestall in der Bendastraße 71
 Der Pferdestall in der Bendastraße 71

1943

Zerstörung der Versammlungsstätte

Durch die Kriegsereignisse wird bei einem Fliegerangriff diese Versammlungsstätte völlig zerstört. Die Gemeinde wird nun aufgelöst. Jeder geht in die seinem Wohnort am nächsten liegende Nachbargemeinde in Britz oder Neukölln.

1945

Wiederanfang in der Kegelbahn

Als Vorsteher Mutschal im Juli 1945 aus der Gefangenschaft nach Hause kommt, erhält er vom zuständigen Bezirksältesten den Auftrag, die Gemeinde wieder zu sammeln. So werden die zerstreuten Geschwister von den noch vorhandenen Amtsbrüdern aufgesucht. Drei Amtsträger sind im Krieg geblieben. In alter Treue gehen sie wieder an die ihnen gestellte Aufgabe. Ein entsprechender Raum ist nicht zu finden. Aber eine alte, nun stark baufällige Kegelbahn steht noch. Dort können vorläufig die Gottesdienste durchgeführt werden.

1946

Umzug in die Baracke

Wegen Einsturzgefahr und Baufälligkeit wird die Kegelbahn gesperrt; es muss wieder nach einem anderen Raum Ausschau gehalten werden. Eine hölzerne Baracke am Wildmeisterdamm, in der im Kriege Zwangsarbeiter untergebracht waren und die jetzt als Schule dient, wird nun zur Segensstätte.

Ein Teil der Gemeinde 1947/48
 Ein Teil der Gemeinde 1947/48

1948

Die Baracke brennt ab 

In einer Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag, am Abend zuvor war noch Gottesdienst, brennt die Baracke restlos ab. Alles, was mühsam an Gesangbüchern und Chormappen gesammelt worden war, ja auch das Harmonium, gehen verloren. Stimmen werden laut, die „Frommen“ haben das Gebäude in Brand gesetzt. Aber die Aussagen des Hausmeisters und des Vorstehers, selbst Angehöriger der Berufsfeuerwehr, können diese Behauptungen vor der Polizei entkräften. Danach dient eine andere Schulbaracke in Buckow-Ost, am Neuköllner Krankenhaus, als Versammlungsort. Der Raum ist viel zu klein für die 161 Geschwister, aber im Augenblick gibt es nichts anderes. Bezirksapostel Landgraf, der hier die Geschwister bedient, bedauert sehr diese beengten Räumlichkeiten, kann aber leider auch nicht helfen.

1949

Umzug in die Schulbaracke

Am Wildmeisterdamm 15-18 ist inzwischen eine Steinbaracke für Schulzwecke errichtet worden. Für die inzwischen auf 191 Geschwister angewachsene Gemeinde ist die Versammlungsmöglichkeit hier wesentlich besser. Drei Jahre lang dient dieser Ort als Segensstätte.
Ein Teil der Gemeinde um 1950
 Ein Teil der Gemeinde um 1950

1952

Anmietung von Räumlichkeiten einer Schule

Die Schule am Wildmeisterdamm 60-76, die durch die Kriegseinwirkungen stark gelitten hatte, ist inzwischen wieder aufgebaut worden. Nach vielen Bemühungen können dort Räumlichkeiten gemietet werden. Als das Klassenzimmer zu klein wird, wird der Gottesdienst in der Vorhalle durchgeführt, wobei das offene Treppenhaus dem Chorgesang immer ein schönes Echo gibt.
Gottesdienst in der Vorhalle
 Gottesdienst in der Vorhalle